Alles Roger in Leverkusen(?)!

Roger Schmidt

Klug, kompetent, charismatisch – erfolgreich?

Freitag, der 22. August 2014, 20:30Uhr. Die 52. Bundesliga-Saison startet. Die Liga des Weltmeisters. Die Vorfreude ist groß. 46 Tage nach dem alles überstrahlenden Erfolg unserer Nationalmannschaft in Brasilien heißt es: endlich wieder Fußball! Regelmäßig: freitags, samstags, sonntags!

Nach 90 Minuten ist das Eröffnungsspiel gespielt. Die Bayern gewinnen. Die Art und Weise des Sieges gegen den VfL Wolfsburg -glücklich vs. souverän, viele Verletzte vs. Breite des Kaders- soll aber keine 24 Stunden Titelthema in den deutschen Sportgazetten bleiben. Ganz schnell macht sich eine neue Euphorie breit. Begründet in der Duftmarke, die Bayer 04 Leverkusen am 1. Spieltag bei seinem Spiel im Signal-Iduna-Park hinterlässt. Unübersehbar, dass Borussia Dortmund eine miserable Leistung dageboten hat, hat sie eine neueingestellte Mannschaft aus Leverkusen auch dazu gezwungen, so zu spielen. Die neue Bayer-Marke hat sofort die nun schon so viel besprochene „Handschrift des neuen Trainers“ gezeigt. Spielpräsenz, frühes Anlaufen bei gegnerischem Ballbesitz, Gegenpressing, Forechecking; den Gegner zu Fehlern zwingen, am besten schon in seiner eigenen Spielhälfte, um den Weg zum Tor zu verkürzen. – Schlicht: Powerfußball des 21. Jahrhundert, physisch und psychisch.
Während den versteckten Dortmund-Anhängern unter den Sportjournalisten ein Ohrwurm von „Alles nur geklaut“ durch den Kopf zu bimmeln scheint, stellt der objektive Journalist zunächst einmal fest: es passiert etwas in Leverkusen. Da ist ein Prozess im vollen Gange, der hoffen lässt. Nicht nur hoffen darauf, dass Watzke und Rummenigge wieder ihrer eigentlichen Arbeit nachgehen können, sondern auch auf mittelfristige Sicht auf sportlicher Ebene: ein drittes großes B in der B_undesliga? Aus Zweikampf mach‘ Dreikampf? Gar eine dritte deutsche Mannschaft, die international plötzlich die vermeintlich Großen ärgern kann?
Ohne den aktuellen Hype um Bayer konstatieren zu wollen, ohne außer Acht zu lassen, dass gerade einmal 4 Pflichtspiele gespielt und gewonnen worden, ohne die Schnelllebigkeit des Fußballs und die Taktik-Akribie der Bundesliga-Trainer zu vernachlässigen, komme ich zu folgendem Schluss:

– Sammer muss seinen Standpunkt zu der Arbeit in anderen Vereinen der Bundesliga neu überdenken. Zur Erinnerung: da würde nicht effektiv und gut genug gearbeitet.
– Nicht nur die Nase von Roger Schmidt belegt den richtigen Riecher, den Bayer 04 Leverkusen bei seiner Kaderzusammenstellung bewiesen hat (ganz stark bis dato: Calhanoglou, Bellarabi und Arbeiter-Kießling)
– Sollte der „Pinocchio-Effekt“ eintreten und Leverkusen von nun an alle Spiele verlieren und absteigen, hätten die bisherigen vier Pflichtspiele dennoch mein Fußball-Herz derart in Wallungen gebracht, dass ich Vizekusen die Meisterschaft gönnen würde.

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Die zwei Gesichter der Dortmunder Borussia

Klopp HSV-PK

So schnell kann’s manchmal gehen.
Am Samstag noch enttäuscht die Dortmunder Borussia auf ganzer Linie beim HSV.
Mit dem schwächsten Auftritt des BVBs seit langer Zeit, kann Mirko Slomka ein ‚Einstand nach Maß‘ beschert werden. 3:0 – so das Endergebnis.
Nach den erfolgreich gespielten Saisons der Dortmunder, durch die sie dem Sommermärchen, als Inbegriff des deutschen Fußballs, ihre ganz eigenen Kapitel hinzugefügt und das ganze Land mitgerissen haben, ist diese Saison die wohl schwierigste des Watzke-Zorc-Klopp-BVBs. Sehr präsent ist mir eine Aussage von Jürgen Klopp, die er vor der aktuellen Saison gemacht hat, die wieder einmal das BVB-typische fußballkluge vorausschauende Denken trifft:

„Es ist das 4. Jahr. Und wir, der ganze Verein, ist sich bewusst, dass das 4. Jahr ohnehin das schwierigste Jahr wird!“

Zu diesem Zeitpunkt konnte jedoch keiner auch nur ansatzweise erahnen, welches Verletzungspech den BVB dieses Mal treffen sollte. Besonders beliebt bei dem Sensenmann des Fußballs: die Dortmunder Defensive, um Schlüsselspieler wie Mats Hummels und Ilkay Gündogan. Trotz alledem hat sich ein ganz neues Talent bei der Borussia gezeigt: die Improvisationskunst.
Schließlich steht der BVB, der sich nach wie vor den eigenen Möglichkeiten bewusst ist, zurzeit im Spitzenteam hinter den galaktischen Bayern in der Bundesliga. Die Bayern sind es auch, die meiner Wahrnehmung nach, unbewusst(!) weiteren Einfluss auf die Situation beim BVB genommen haben (das -wie manche meinen- ‚typische Bayern-Verhalten‘, indem sie mit Transfers bewusst die Gegner schwächen würden, steht dabei nämlich auf einem ganz anderen Papier). Der angesichts der jüngeren Vergangenheit, in der der BVB den Bayern mehr als nur ein Gegner sein konnte, Bände sprechende 3:0-Auswärtssieg der Bayern in der Hinrunde scheint die junge Dortmunder Mannschaft demoralisiert zu haben.
Offensichtlich ist für mich dabei: so sehr die Duelle dieser Mannschaften auch von den Medien hochstilisiert worden waren und so sehr die beiden Mannschaften auch mit dem letztlich gemeinsamen Champions League-Finale die Presse, im Nebeneffekt, immer weiter gefüttert haben, in selbem Maße ist den Dortmundern auch jederzeit bewusst gewesen, dass sie sich auf die Dauer der Zeit mit dem finanziell unfassbar gut aufgestellten FC Bayern nicht messen können. Solange sie sich aber nun mit ihnen haben messen können, ist es ihnen leicht gefallen, die ‚Underdog-Nummer‘ nach außen hin darzustellen. Sobald es aber auch auf dem Platz deutlich wird, wie bei eben diesem 3:0-Ausswärtssieg der Bayern in Dortmund, ist es motivationstechnisch klüger, wenngleich auch kräftezehrender, sich selbst erst einmal wieder der eigenen Stärke bewusst zu werden. In diesem Prozess befindet sich die Dortmunder Borussia in dieser Saison. Da kommt es eben Mal vor, dass man bei einem Abstiegskandidaten, wie dem HSV, auch in der Höhe verdient 3:0 verliert und dass man auch in der Champions-League-Vorrunde alles andere als früh und absolut souverän das Weiterkommen klarmacht.

Vor diesem Hintergrund und dem, dass sich mit den Bayern zurzeit anscheinend sowieso niemand messen kann, spielt auch der BVB der Saison 13/14 eine erfolgreiche Saison. Und eine, wie ich finde, sehr erfolgreiche, wenn sie sich doch tatsächlich wieder für das Champions-League-Viertelfinale qualifizieren sollten, wonach es nach dem starken 4:2-Auswärtserfolg bei St. Petersburg letztlich aussieht.

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