Die zwei Gesichter der Dortmunder Borussia

Klopp HSV-PK

So schnell kann’s manchmal gehen.
Am Samstag noch enttäuscht die Dortmunder Borussia auf ganzer Linie beim HSV.
Mit dem schwächsten Auftritt des BVBs seit langer Zeit, kann Mirko Slomka ein ‚Einstand nach Maß‘ beschert werden. 3:0 – so das Endergebnis.
Nach den erfolgreich gespielten Saisons der Dortmunder, durch die sie dem Sommermärchen, als Inbegriff des deutschen Fußballs, ihre ganz eigenen Kapitel hinzugefügt und das ganze Land mitgerissen haben, ist diese Saison die wohl schwierigste des Watzke-Zorc-Klopp-BVBs. Sehr präsent ist mir eine Aussage von Jürgen Klopp, die er vor der aktuellen Saison gemacht hat, die wieder einmal das BVB-typische fußballkluge vorausschauende Denken trifft:

„Es ist das 4. Jahr. Und wir, der ganze Verein, ist sich bewusst, dass das 4. Jahr ohnehin das schwierigste Jahr wird!“

Zu diesem Zeitpunkt konnte jedoch keiner auch nur ansatzweise erahnen, welches Verletzungspech den BVB dieses Mal treffen sollte. Besonders beliebt bei dem Sensenmann des Fußballs: die Dortmunder Defensive, um Schlüsselspieler wie Mats Hummels und Ilkay Gündogan. Trotz alledem hat sich ein ganz neues Talent bei der Borussia gezeigt: die Improvisationskunst.
Schließlich steht der BVB, der sich nach wie vor den eigenen Möglichkeiten bewusst ist, zurzeit im Spitzenteam hinter den galaktischen Bayern in der Bundesliga. Die Bayern sind es auch, die meiner Wahrnehmung nach, unbewusst(!) weiteren Einfluss auf die Situation beim BVB genommen haben (das -wie manche meinen- ‚typische Bayern-Verhalten‘, indem sie mit Transfers bewusst die Gegner schwächen würden, steht dabei nämlich auf einem ganz anderen Papier). Der angesichts der jüngeren Vergangenheit, in der der BVB den Bayern mehr als nur ein Gegner sein konnte, Bände sprechende 3:0-Auswärtssieg der Bayern in der Hinrunde scheint die junge Dortmunder Mannschaft demoralisiert zu haben.
Offensichtlich ist für mich dabei: so sehr die Duelle dieser Mannschaften auch von den Medien hochstilisiert worden waren und so sehr die beiden Mannschaften auch mit dem letztlich gemeinsamen Champions League-Finale die Presse, im Nebeneffekt, immer weiter gefüttert haben, in selbem Maße ist den Dortmundern auch jederzeit bewusst gewesen, dass sie sich auf die Dauer der Zeit mit dem finanziell unfassbar gut aufgestellten FC Bayern nicht messen können. Solange sie sich aber nun mit ihnen haben messen können, ist es ihnen leicht gefallen, die ‚Underdog-Nummer‘ nach außen hin darzustellen. Sobald es aber auch auf dem Platz deutlich wird, wie bei eben diesem 3:0-Ausswärtssieg der Bayern in Dortmund, ist es motivationstechnisch klüger, wenngleich auch kräftezehrender, sich selbst erst einmal wieder der eigenen Stärke bewusst zu werden. In diesem Prozess befindet sich die Dortmunder Borussia in dieser Saison. Da kommt es eben Mal vor, dass man bei einem Abstiegskandidaten, wie dem HSV, auch in der Höhe verdient 3:0 verliert und dass man auch in der Champions-League-Vorrunde alles andere als früh und absolut souverän das Weiterkommen klarmacht.

Vor diesem Hintergrund und dem, dass sich mit den Bayern zurzeit anscheinend sowieso niemand messen kann, spielt auch der BVB der Saison 13/14 eine erfolgreiche Saison. Und eine, wie ich finde, sehr erfolgreiche, wenn sie sich doch tatsächlich wieder für das Champions-League-Viertelfinale qualifizieren sollten, wonach es nach dem starken 4:2-Auswärtserfolg bei St. Petersburg letztlich aussieht.

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Ewiges Talent, Opfer der Generation Chefchen oder . . .

Es gibt ein mediales Sorgenkind mehr. Toni Kroos gilt als ewiges Talent des deutschen Fußballs. Die von Ambivalenz geschwängerte Stimmung im deutschen Lande, im Fall Toni Kroos, könnte verehrender nicht sein, außer man führt eine gepflegte Diskussion über die Transferpolitik des neuen Fulhamtrainers Felix Magath. Tagespunkt der zerreisserischen Boulevardblätter ist die Vertragslaufzeit und die damit zusammenhängende und vielleicht auch angedichtete Wechselabsicht des bayrischen Mittelfeldspielers. Es war nur eine Frage der Zeit bis die Presse sich mit „unserem“ Jahrhunderttalent beschäftigt. Für alle U-Boot-Bundesligafans, die von diesem Thema verschont geblieben sind, wie das Tornetz nach einem Elfmeter von Sergio Ramos, hier ein paar Fakten.

Name: Toni Kross                                                 Alter: 24 Jahre

Vertrag bis: 30.06.2015                                      Verein: Bayern München

Der gerade erst 24 Jahre alt gewordene Toni Kroos ist genau genommen noch ein Talent, das Zeit zur Entwicklung braucht, bevor es den Zenit der Karriere erreicht. Dagegen sprechen sechs lange Jahre Erfahrung in der Bundesliga, worauf auch schon mal ein Raul neidisch sein könnte. Die Frage, ob Toni Kroos diese Zeit noch brauch, kann nur zwiespältig betrachtet und nur von Fußballfachmännern wie Ottmar, Pep oder vom oben genannte Quälix beantwortet werden. „Oft gelobt, aber nicht immer geliebt“ wäre wohl der Titel für Toni´s Biographie auf halbem Wege. Im Oktober wurde er als einer der Gewinner unter Peps System von der FAZ hervorgehoben, nun steht zur Diskussion, ob eben dieser Gewinner 2015 den FC Bayern München verlassen wird.

Viele Faktoren beeinflussen den Stand von Toni Kroos beim deutschen Rekordmeister. Sobald ein Spieler auf einem solch hohem Niveau angekommen ist, hat er einige Argumente ins Feuer zu werfen, um seinen Forderungen Nachdruck zu verleihen. Es wird viel diskutiert über das Gehalt und darüber, ob Fußballspieler den Hals nicht voll kriegen würden. Wer mit dieser Frage an das Thema Vertragsverlängerung geht, muss vorgewarnt sein, etwas Neuerem belehrt zu werden. Ein Szenario, was widersprüchlicher nicht sein könnte, schwirrt mir bei solchen kleinkarierten Söldnervorwürfen immer wieder durch den Kopf.

Verhandlungstisch. Motzki, Dreesen, Kalle und Uli und eben ein Toni Kroos. Ein kühles blondes Alkoholfreies für den Leistungssportler. Motzki kommt mit der Ansage, Toni halten zu wollen. Toni ist grundsätzlich nicht abgeneigt und prescht mit 10 Mille in die Verhandlung. Kalle der alte Ja-sager nickt, Dreesen guckt skeptisch und Uli schreibt eine Notiz an Dreesen. „Jan-Christian, drück ihn runter. Notfalls mach ich was locker.“ Dreesen sagt „gut Toni, mit 7-8 bist du bis 2019 bei uns“. Toni allerdings denkt schon an seine Rente mit 35 und an seinen Sohn Leon, der vielleicht nicht studieren wird aber dennoch eine gesicherte Ausbildung braucht. Toni wandert beleidigt ab.

Widererwarten wird diese Verhandlung höchstwahrscheinlich anders abgelaufen sein. Ein junger Spieler der kurz davor ist, einen richtungsweisenden Vertrag zu unterschrieben, wird sich weiterführende Gedanken machen, was ihm wichtig ist. Eine hohe Besoldung steht im Fußball für Anerkennung und Stellung im Verein. Daher kann ein Toni Kroos, langfristig mit dem Gedanken spielen auf eine Stufe mit Lahm und Schweinsteiger, aber mindestens mit Müller gestellt zu werden. Dieser Faktor scheint nicht unerheblich zu sein.

Wichtig im Vertragspoker wird bei einer qualitativ so breit aufgestellten Mannschaft die Spielzeit sein. Im Hinterkopf hängt so manchem noch die Klausel eines Thiago Alcantaras, welche den Wechsel zum FC Bayern erst „erschwinglich“ gemacht hat. Da es beim FC Bayern aber keine Ausstiegsklauseln geben soll, wird hier möglicherweise auch ein Knackpunkt in den Verhandlungen auftreten. Der FC Bayern will immer alles in der Hand haben und nicht durch Ausstiegsklauseln in Zugzwang kommen. Dies gestaltet sich immer schwieriger, da sich fast jeder Spieler die Option eines Wechsels offen halten möchte, solange jemand dafür genug Geld auf den Tisch legt. Dennoch haben die Münchener eine gute Verhandlungsposition und können sich auf Grund von eigener Qualität den Wegfall einer Ausstiegsklausel leisten.

Gerade diese Spielzeit können Toni andere Klubs garantieren, da auf dieser Position meist kein zweiter Weltklassespieler vorhanden ist. Hinzu kommt ein weit aus höheres Gehalt von einem Scheichklub. Da die Wirtschaftlichkeit bei einem Sold von 16 Millionen (Man United) durchaus fraglich ist, werden die Roten aus dem Süden nicht mitziehen. Wie sehr einen Spieler das reizt, ist die Frage. Der Klub ist atemberaubend. Im Hinblick auf internationale Titel in kommender Zeit momentan aber einfach zu schwach. Dennoch ist für die Zukunft ein Projekt wie bei Manchester United nicht uninteressant.

Darüber hinaus ist auch der zeitliche Abgang des jungen Deutschen fraglich. Im Sommer wäre ein Transfer in Höhe von 35-40 Millionen durchaus machbar. Da die Bayern finanziell nicht unter Druck stehen, wäre ein Verbleib bis zum Vertragsende 2015 denkbar. Somit könnte auch der Markt besser analysiert werden und jungen Spielern, wie z.B. Julian Draxler, Zeit zur Entwicklung gegeben werden.

Wie ihr seht, ist die Geschichte offen wie das Scheunentor des HSV in dieser Saison. Mein Tipp: Kroos verlängert im Sommer bis 2019 in der Hoffnung, irgendwann den Bastian zu ersetzen. Und Draxler kommt trotzdem!